Autor Robert Exner
Vom Aussterben bedroht – Wörter, die in Vergessenheit geraten (2)
Sprache wandelt sich. Jedes Jahr werden neue Wörter der Jugendsprache gelistet, gleichzeitig verschwinden viele alte Begriffe still und leise aus unserem Wortschatz. Dabei haben gerade diese sprachlichen Kostbarkeiten eine besondere Wirkung: Sie können Erinnerungen wecken – wie ein vertrauter Duft, ein bekanntes Lied oder ein Gegenstand aus vergangenen Tagen.
Für postalische Mailings ist das ein wertvoller Schatz, denn die Zielgruppe fühlt sich durch solche Wörter unmittelbar abgeholt. Sie schaffen Nähe, Vertrautheit und Kommunikation auf Augenhöhe – ein Stück „gute alte Zeit“, das sich wohltuend vom schnellen Sprachwandel abhebt.
In unserer kleinen Serie legen wir Ihnen jeweils eines dieser Wörter ans Herz.
Diesmal: Krokodilstränen
Das Wort "Krokodilstränen" verschwindet aus dem täglichen Sprachgebrauch.
Wer ein Foto dieser Panzerechsen anschaut, mag bezweifeln, dass Krokodile überhaupt weinen können. Trotzdem gibt es seit Jahrhunderten die Fabel, wonach Krokodile angeblich die von ihnen gefressenen Menschen beweinen. Darin liegt also der Ursprung für die Redewendung von Krokodilstränen im Sinne von vorgetäuschten oder unechten Tränen.
Verwendet wird das Wort gerne in politischen Debatten. Dann unterstellt man dem Widersacher, der Gegnerin, sie würden Bedauern heucheln und deshalb Krokodilstränen vergießen. Doch eigentlich tut man den riesigen Tieren, die es schon seit grauer Vorzeit gibt, mit dieser Unterstellung unrecht, und zwar doppelt: Krokodile sondern tatsächlich beim Fressen ein Tränensekret ab. Aber was können die Echsen dazu, dass man ihnen menschliches Verhalten zuschreibt? Nämlich Trauer zu empfinden und die sogar bewusst inszeniert.
Wenn das für Sie kein Larifari ist, dann brauchen Sie keine Krokodilstränen zu vergießen. Im dritten Teil unserer Reihe stellen wir Ihnen ein neues altes Wort aus der Textwerkstatt vor und sorgen so dafür, dass alte Wörter nicht in Vergessenheit geraten.
Der Kommentar stellt die persönliche Meinung des Autors Robert Exner dar.
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Robert Exner, Jahrgang 1961, ist seit mehr als 30 Jahren in der Verbandskommunikation tätig. Selbständig ist er seit 2004. Mit seinem Büro fundwort für Text, PR und Fundraising begleitet er Organisationen, Verwaltungen und Unternehmen mit den Schwerpunkten Umwelt und Soziales: www.fundwort.de
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