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Autor: Robert Exner

Generalangriff gegen Vielfalt, Gleichstellung und Inklusion

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Keine komfortable Situation für NGOs, aber die Chance, neue Mitstreiter:innen zu gewinnen

Diversitätsprogramme zu streichen, behinderte Menschen zu diffamieren oder Umweltprojekten das Wasser abzugraben, ist populistisch, aber sicher nicht mehrheitsfähig. Trotzdem werden in den USA und anderen Ländern bewährte Standards und verlässliche Konventionen umgebrochen. NGOs sollten ihre wichtige Rolle in den gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen selbstbewusst und offensiv nutzen.

Die extrem diskriminierende Politik der neuen US-Regierung geht weit über die Vereinigten Staaten hinaus. Präsident Donald Trump versucht seinen Anti-Diversity-Kurs über die US-Botschaften auch in andere Länder zu tragen. Für seinen Generalangriff gegen Vielfalt, Gleichstellung und Inklusion instrumentalisierte Trump sogar das Flugzeugunglück in der Nähe von Washington, D.C. Ende Januar: Ungeachtet der Faktenlage behauptete der US-Präsident damals, dafür sei die Diversitätspolitik seines Amtsvorgängers verantwortlich. Sie habe nicht-weiße, nicht-männliche und behinderte Personen als minderqualifiziertes Personal, etwa als Fluglotsen, gefördert.

Auch hierzulande werden Veränderungen beobachtet. Ende April beklagte der Musiker, Entertainer und Diplompädagoge Guildo Horn gegenüber dpa: Behinderte Menschen würden wieder häufiger als Belastung statt als Bereicherung wahrgenommen. „Es scheint mir, dass wir vor 16 Jahren beim Thema Integration und Inklusion weitaus offener waren als heute.“ Damals trat die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland in Kraft. Horn hat viele Jahre mit Menschen gearbeitet, die kognitive Beeinträchtigungen haben und diese Zeit stets als Bereicherung seines Lebens gesehen.

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Symbolbild: Inklusoin

Anti-Diversity-Tendenzen ziehen in der populistischen Politik immer weitere Kreise. 

NGOs können Gegenpol zur populistischen Politik bilden

Ein rauer Gegenwind zieht immer weitere Kreise: Bildungseinrichtungen, Kulturinstitutionen bekommen ihn ebenso zu spüren wie Umwelt- und Naturschutzorganisationen. Fehlender politischer Rückenwind oder sogar Sturm aus der Gegenrichtung erschweren das Leben der Betroffenen. Ebenso geraten NGOs unter Druck. Schlägt die Stimmung um, macht sich das in ihrer täglichen Arbeit bemerkbar – auch im Fundraising. 

Doch können NGOs einen enorm wichtigen Gegenpol zu populistischer und disruptiver Politik bilden. Je stärker die Ablehnung von politischer Seite, desto größer wird die gesellschaftliche Relevanz von NGOs – gerade dann, wenn sie hohe Reputation in der Öffentlichkeit genießen. Dort, wo Politik ein institutionelles Vakuum provoziert, steigt die Bedeutung von NGOs – eben, weil sie Nichtregierungs-Organisationen sind. Wo Regierungshandeln verweigert wird oder versagt, kommt den NGOs die gesellschaftlich verantwortungsvolle Rolle zu, Menschen mit Besonderheiten oder Behinderungen zu vertreten, ihre Anliegen und Bedürfnisse lautstark zu artikulieren. Als „Anwälte der Natur“ sind die Verbände mehr denn je erforderlich, wenn Klimaschutz und biologische Vielfalt von staatlicher Seite missachtet werden.
 

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Anwälte der Natur, Verteidiger der Rechte der Menschen

Sicher gibt es für NGOs komfortablere Arbeits- und Rahmenbedingungen. Trotz alledem bieten sich in solch frostigen Zeiten für die Organisationen Gelegenheiten, ihre Unterstützer:innen enger an sich zu binden und neue Sympathisant:innen zu finden. Jene Menschen, die aufgeschlossen gegenüber der Sache oder den Themen sind, aber bisher keinen Anlass sahen, sich zu engagieren. Jetzt merken sie, dass Nichtstun genau zum Gegenteil führt, was ihnen eigentlich wichtig ist.

Jetzt – da die Empörung groß ist und das Verlangen, doch seine Stimme zu erheben, können NGOs als Verteidiger der Rechte der Menschen und der Natur davon „profitieren“. Die Organisationen werden zu Hoffnungsträgern für diejenigen, die anfangen – ob des politischen Getöses – an ihrer Meinung zu zweifeln.

Sind die NGOs Lückenbüßer? Bilden sie nur eine Notgemeinschaft? Im Gegenteil, ihre neuen Unterstützer handeln aus Überzeugung und nicht, weil das Thema gerade trendy ist. Auch deshalb können die NGOs sehr offensiv nach außen auftreten. Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und intensives Fundraising sind konsequente und notwendige Reaktionen, weil sich gemeinsam besser ein Zeichen setzen lässt. NGOs sind gut beraten, noch stärker als bisher aktionsorientiert zu agieren, eben um sich aus der politischen Beschneidung ihrer Aktionsradien zu befreien.

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Das Potenzial bewahren

Das Wählervotum ist eine Sache. Aber Diversitätsprogramme zu streichen, behinderte Menschen zu diffamieren oder Umweltprojekten das Wasser abzugraben, ist populistisch doch keineswegs mehrheitsfähig. Die Vielfalt unserer Welt ist nun mal Fakt und kein Fake. Zum Glück gibt es dieses unglaubliche evolutive und soziale Potenzial, andernfalls wäre die Menschheit wohl schon lange ausgestorben. Mit diesem Wissen können die NGOs dem Gegenwind sehr selbstbewusst entgegentreten: Immerhin tragen sie mit ihren 100.000en Mitstreiter:innen dazu bei, dieses immense Potenzial für uns alle zu bewahren.

Symbolbild Diversity

Die Welt ist vielfältig. NGOs setzen sich für diese Vielfalt ein. 

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Herr Exner

Der Kommentar stellt die persönliche Meinung des Autors Robert Exner dar. 
Kontakt: info@fundwort.de

Robert Exner, Jahrgang 1961, ist seit mehr als 30 Jahren in der Verbandskommunikation tätig. Selbständig ist er seit 2004. Mit seinem Büro fundwort für Text, PR und Fundraising begleitet er Organisationen, Verwaltungen und Unternehmen mit den Schwerpunkten Umwelt und Soziales: www.fundwort.de
 

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